Advanced Design Project 1: Kandid
Orientierung im kommunalen Wahlsystem schaffen
Wie können junge Menschen fundierte Wahlentscheidungen treffen, wenn kommunale Wahlsysteme komplex und Informationen schwer zugänglich sind? Mit dieser Frage beschäftigte sich das Advanced Design Project Kandid, das im ersten Semester des Masterstudiengangs Digital Design an der Hochschule der Medien Stuttgart entstand. Das Projekt zeigt, wie User Experience Design und digitale Anwendungen demokratische Teilhabe unterstützen können.
Gemeinderatswahlen gehören zu den wichtigsten demokratischen Prozessen auf lokaler Ebene. Gleichzeitig gelten sie vielen Erstwählern als unübersichtlich. Besonders in Baden-Württemberg erschweren komplexe Wahlverfahren und umfangreiche Kandidierendenlisten den Zugang zur politischen Entscheidungsfindung. Hinzu kommt, dass Informationen über Kandidierende häufig auf unterschiedliche Quellen verteilt sind und nur schwer miteinander verglichen werden können. Für viele junge Menschen entsteht dadurch eine hohe Hürde bei der Vorbereitung auf die Wahl.
User Experience für demokratische Teilhabe
Mit Kandid entwickelte das Projektteam eine digitale Plattform, die den Zugang zu kommunalen Wahlen vereinfacht und Orientierung bietet. Im Zentrum steht ein Matching-Verfahren, das Nutzerinnen und Nutzern ermöglicht, ihre Positionen mit denen der Kandidierenden abzugleichen. Anders als bekannte Wahlhilfen fokussiert sich die Anwendung dabei auf einzelne Personen und nicht auf Parteien. So entsteht ein differenzierter Blick auf lokale politische Angebote.
Ergänzt wird dies durch standardisierte Kandidierendenprofile, die zentrale Informationen vergleichbar darstellen. Dadurch lassen sich politische Schwerpunkte, Motivation und Positionen übersichtlich gegenüberstellen. Für die praktische Nutzung am Wahltag bietet die Anwendung zudem die Möglichkeit, persönliche Favoriten als Übersicht zu exportieren. Eine integrierte Wahlanleitung unterstützt zusätzlich dabei, das Wahlsystem besser zu verstehen und Unsicherheiten bei der Stimmabgabe abzubauen.
Die Entwicklung von Kandid basierte auf einem konsequent nutzerzentrierten Gestaltungsprozess. Ziel war es, politische Informationen möglichst verständlich, zugänglich und barrierearm aufzubereiten. Dafür wurden unterschiedliche Methoden der UX-Forschung eingesetzt – von Interviews über User Journeys bis hin zur iterativen Evaluation von Funktionen und Informationsarchitekturen. Besondere Aufmerksamkeit erhielt die Gestaltung einer klaren und inklusiven Benutzeroberfläche, die politische Inhalte in den Mittelpunkt stellt und Orientierung schafft.
Design mit gesellschaftlicher Relevanz
Kandid verdeutlicht, wie Digital Design gesellschaftliche Herausforderungen aufgreifen und in konkrete digitale Lösungen übersetzen kann. Das Projekt verbindet User Experience Design, Informationsdesign und Civic Tech zu einer Anwendung, die demokratische Beteiligung unterstützt und politische Bildung fördert.
Das Projekt entstand im Studiengang Digital Design (DD3) an der HdM Stuttgart.
_Von: Océane Bana, Caroline Cobus, Sofia Elert, Luis Retzbach
_Modul: Advanced Design Project 1
_EDV: 147160
_ECTS: 5(WiSe25/26, 1. Semester)